Europas Stunde der Wahrheit

Auch die europäische Integration Opfer der Pandemie

Die Zahl der Italiener, Spanier und Franzosen, die ihre Hoffnung auf die Europäische Union setzen, nimmt ebenso rapide ab, wie die Zahl der Infizierten in diesen Ländern steigt. Kein Wunder. Konnte sich die EU doch auf keine gemeinsame Strategie gegen die Pandemie einigen. Grenzen zu, war die reflexartige Reaktion nicht allein in Österreich, Polen und Tschechien. Dass auch Deutschland panikartig die Grenze zum Elsass verrammelte, kam bei unserem Nachbarn gar nicht gut an. Frankreich hat selbst am Höhepunkt der Krise weder die Grenze zu Italien und noch die nach Spanien geschlossen.

Wie kann man den Menschen jahrzehntelang erklären, dass der Nationalstaat in der größeren europäischen Gemeinschaft aufgehen müsse, und sich dann krampfhaft an eben diesen Nationalstaat klammern, obwohl der Virus bekanntlicherweise keine Grenzen kennt. Da helfen auch die paar Corona-Kranken aus Italien und Frankreich nicht, die in deutschen Intensivstationen aufgenommen wurden. Solidarität sieht anders aus.

Und auch bei der Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zeigen sich die alten Fronten zwischen den Nordländern und dem Süden. Obwohl der Exportweltmeister Deutschland bei weitem am meisten von Euro und Binnenmarkt profitiert, stemmt sich die politische Klasse dieses Landes mit Vehemenz gegen Eurobonds. Die sind aber als einziges Instrument geeignet, die enormen wirtschaftlichen Schäden in Billionenhöhe zu mildern, die die Pandemie verursacht. Alles andere ist Symbolpolitik. Und das spüren die Menschen in Rom, Barcelona und Straßburg. So vertieft die Pandemie die schon lange existierenden Bruchlinien innerhalb der Europäischen Union. Die Frage ist nicht mehr ob sondern nur noch wann uns das Gebilde vor die Füße fällt.

In einem bezeichnenderweise hierzulande kaum beachteten Interview mit der Financial Times hat es der französische Präsident Emanuel Macron auf den Punkt gebracht, die Pandemie ist die Stunde der Wahrheit für Europa.

Das Video lohnt sich. Es ist Englisch untertitelt und – eine Ausnahme für die FT – nicht hinter einer Paywall


Hier Klicken

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.